Mediale Verdummung: Saures Wasser

Unsere tägliche mediale Verdummung, diesmal von spiegel.de:

Die Ozeane nehmen einen Teil des von uns in die Luft geblasenen Kohlendioxids auf und werden immer saurer. Viele Tiere beginnen buchstäblich, sich aufzulösen. Wird es in hundert Jahren noch Korallenriffe, Muscheln und Schnecken geben?

Mit solch einem Unsinn wird man heutzutage in einem sog. Leitmedium konfrontiert: „CO2-Überdosis: Saures Wasser löst Meerestiere auf„. Es wird bereits im Titel des Artikels suggeriert, dass die Meere sauer sind und durch anthropogene Treibhausgase immer saurer werden. Der Mensch sorgt also dafür, dass Austern im Meerwasser buchstäblich aufgelöst werden, als ob sie in Schwefelsäure schwimmen würden (siehe Bild). Dabei steht in einem Absatz am Ende des Artikels eigentlich die wesentliche Information:

Meerwasser ist leicht basisch und hat an der Oberfläche einen pH-Wert von 7,9 bis 8,2. Durch die CO2-Emissionen ist dieser Wert im Durchschnitt bisher um ungefähr 0,1 gesunken. Die pH-Skala ist logarithmisch, das heißt, schon kleine Veränderungen der Zahlen stehen für große Wirkungen. Ein Rückgang von 0,1 bedeutet, dass das Wasser um 30 Prozent saurer geworden ist. Wenn sich die Entwicklung fortsetzt, könnte der pH-Wert bis 2100 auf durchschnittlich 7,8 sinken. Dann wäre das Wasser um 150 Prozent saurer als im Jahr 1800.

Damit man das Meerwasser als sauer bezeichnen kann, muss es einen pH-Wert kleiner 7 haben. Bei dem Gradienten der „Versauerung“ würde es ca. 900 Jahre dauern, bis das Meerwasser den pH-Wert von 7 erreichen würde, also eine absolut neutrale wässrige Lösung. Das Meer ist also alles andere als sauer und es wird auch nicht immer saurer, sondern weniger alkalisch.

In wieweit die Flora und Fauna der Weltmeere mit weniger alkalischem Meerwasser klar kommt steht auf einem ganz anderen Zettel. Dass die armen Austern von “ saurem Meerwasser aufgelöst“ werden ist allerdings totaler Unsinn.

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3 Antworten zu Mediale Verdummung: Saures Wasser

  1. Perlita schreibt:

    ich weiß nicht so recht, wo hin mit diesem artikel hier:

    Warnung von 2005
    Prognose zu Klimaflüchtlingen bringt Uno in Bedrängnis
    50 Millionen Umweltflüchtlinge bis 2010 – so lautete eine Warnung der Vereinten Nationen vor sechs Jahren. Wo sind nun all die Auswanderer? Gegenüber SPIEGEL ONLINE distanziert sich die Uno von der Prognose – in Ländern der angeblichen Gefahrenzone wächst die Einwohnerzahl.

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,757556,00.html

    ich wollte es erst unter den artikel mit helmut schmidt und dem weltklimarat posten, weiß aber nicht, ob ein älteres thema nach einem neuen kommentar wieder nach oben „rutscht“, damit man sieht, daß es einen neuen kommentar gibt.

    und die html-befehle ‚raff ich leider auch nicht……………:-(
    und wie man das

  2. Der Turm schreibt:

    Ja, der Schwachsinn mit den 50 Millionen Klimaflüchtlingen.

    Dumm ist nur, dass in praktisch all den „gefährdeten Staaten“ die Bevölkerungszahlen ZUGENOMMEN haben.

    Macht aber nix, jetzt wird die selbe Schwachsinnsprognose für 2020 rausposaunt…

    Und zum Spiegel-Artikel: der scheint mir aus dem Regenbogen-Artikel in der Wikipedia abgeschrieben zu sein. Dort steht nämlich ähnlicher Schwachsinn. Jeder, der bei pH-Werten (oder logarithmischen Skalen im Allgemeinen) mit Prozent-Zahlen hantiert, beweist damit, dass er null Ahnung hat.
    Das Beste an all den Meeresverauserungsfantasien ist nämlich die Tatsache, dass sich alle auf eine Schätzung für das Jahr 1800 beziehen, die in einem einzigen Artikel publiziert worden ist. Aussagekraft also ziemlich genau NULL (Prozent).

    Und überall wird der Schwachsinn nachgeplappert…

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