Das Ende der Pasta? Zeit-Online: Lost In Translation

2012-12-24_Die_Zeit_PastaWenn eine Story zu gut ist, um die Fakten zu checken, dann kommt so ein Artikel dabei heraus, wie der von Zeit Online: Das Ende der Pasta. Dabei war der Autor total „lost in translation“ und hatte ein paar Übersetzungsfehler in den Artikel eingebaut, die den Sinn des zitierten englischen Original-Textes total auf den Kopf stellten, z.B. das hier:

Wissenschaftler haben starke Belege für einen direkten Zusammenhang zwischen den steigenden Temperaturen und den weltweit sinkenden Erträgen in der Weizenproduktion. Allein in den vergangenen 50 Jahren sank die Weizenproduktion um 5,5 Prozent, während die durchschnittliche Temperatur anstieg.

Oha! Das hört sich ja schlimm an. Eine Reduktion der Weizenproduktion in den letzten 50 Jahren um 5,5 Prozent, obwohl die Weltbevölkerung im gleichen Zeitraum sich mehr als verdoppelt hat. Wo sind die weltweiten Hungersnöte? Hätte dieser Unsinn dem Autor nicht auffallen müssen? Sehen wir mal, was im englischsprachigen Original-Text steht:

Already, a mere 1 degree Fahrenheit of global temperature rise over the past 50 years has caused a 5.5 percent decline in wheat production compared to what would have occurred in the absence of global warming, according to a study published by David Lobell, a professor at Stanford University’s Center on Food Security and the Environment.

Sieh an! Die Weizenproduktion ist gar nicht zurück gegangen. Der Original-Text stellt die Behauptung auf, dass die Weizenproduktion heute 5,5 Prozent kleiner ausfällt aufgrund des Klimawandels, d.h. ohne Klimawandel hätten wir heute 5,5 Prozent mehr Weizen. Abgesehen davon, dass man ebenso nicht genau feststellen kann, wie sich die Weizenproduktion ohne Klimawandel entwickelt hätte, lässt die tatsächliche Weizenproduktion der letzten 50 Jahre nicht auf einen Rückgang um 5,5 Prozent schließen:

globalwheatproductionandyieldQuelle: WUWT

Aber das ist noch lange nicht alles! Es kommt noch besser!

Überall auf der Welt ändert sich gerade die Art und Weise, wie der Weizen angebaut werden kann. Drei Viertel der weltweiten Weizenproduktion kommen aus der Mittelmeerregion. Der Klimawandel wird Südeuropa sogar noch härter treffen als North Dakota.

Eigentlich ist mir diese Aussage zu doof, um mich überhaupt ernsthaft damit auseinander zu setzen. Wer kommt auf die völlig idiotische Idee, drei Viertel der weltweiten Weizenproduktion kämen aus der Mittelmeerregion? Aber bitte, einmal kurz in Wikipedia nachgeschaut:

2012-12-24_Weltweite_WeizenproduktionDas einzigen Länder unter den Top-20, die man zur Mittelmeerregion zurechnen kann, sind Frankreich, Italien, Türkei und Ägypten. Drei Viertel der Weltproduktion, das wären 487 Mio. Tonnen. Die Mittelmeerländer in den Top-20 der Weltproduzenten kommen gerade mal auf ca. 11 Prozent.

Mir ist es unverständlich, wie so ein Schund-Artikel in Zeit-Online veröffentlicht werden konnte. Wahrscheinlich passte die Message so schön ins eigene Klimakatastrophen-Portfolio, dass man auf Fakten-Check verzichtet hat. Schämt euch.

Sonst droht tatsächlich das Ende für unsere heiß geliebte Pasta.

Ich glaube eher, so langsam droht das Ende der Intelligenz.

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